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Sie haben mal irgendwann irgendwas gehört? Sie wissen von einer Geschichte, die nun wirklich keine Sau interessiert? Dann werden Sie doch Zeitzeuge! Zeitzeugen berichten gerne in:
ALSO, EINES TAGES ....
Heute erzählt uns ein gewisser F* M* aus B* die Geschichte seiner politischen Traumgestaltung, damals, am 22.05.2009 ...
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Das Banken-Spiel
Kredor hatte ausgesprochen schlechte Laune und sagte: wo ist denn nun deine Bank?
Gleich hier drüben, antwortete ich und zeigte fahrig in irgendeine Richtung.
Und da willst du also dein Geld abholen? fragte Kredor dröhnend.
Na klar, sagte ich.
Nach wenigen Minuten hatten wir die Bank erreicht und ich reihte mich in die Schlange vor dem Geldautomaten ein.
Hier? fragte Kredor.
Ja, sagte ich.
Ist das dein Ernst?
Ja, klar, hier ist meine Bank!
Hier WAR deine Bank, sagte Kredor und wischte mit einer einzigen Handbewegung das gesamte Gebäude von diesem Planeten. Wo gerade noch ein Haus gestanden hatte, gähnte uns nun ein zehn Meter tiefes Loch im Boden an.
Na, da bin ich ja mal gespannt, wie du jetzt an dein Geld kommen willst, spottete Kredor und lachte mehrmals hart und laut.
Kein Problem, sagte ich, gehen wir halt zur nächsten Bank, ist nur zwei Blocks entfernt von hier.
Du scheinst dein Vermögen ja klug aufgeteilt zu haben, gröhlte Kredor und lief schon mal voraus, um mir auch nicht die kleinste Chance zu lassen, an meine Kohle zu kommen.
Als ich ihn wieder eingeholt hatte, war auch diese Bank vom Angesicht der Erde getilgt und ein zufrieden grinsender Kredor blickte auf ein weiteres Loch in der Landschaft.
So ging das den ganzen Tag und als es Abend wurde, gab es weit und breit kein einziges Kreditinstitut mehr. Das wurde mir dann doch zu blöde und ich ging nach Hause. Lange betrachtete ich dort einen Hunderter.
So viel Ärger, nur wegen dir und deinesgleichen, raunte ich ihm zu. Je länger ich ihn ansah, desto mehr wuchs meine Zuneigung zu diesem buntbedruckten Stückchen Papier.
Dich geb’ ich nie wieder her, sagte ich.
Du bist ein Idiot, antwortete der Hunderter, wenn du Gefühle mir gegenüber entwickelst, beraubst du mich meiner grössten Kraft: meiner Zahlungsfähigkeit!
Ach, sagte ich beschwingt, das ist mir egal. Dann sang ich ihm ein kleines Lied vor:
Ein Herz, das kann man nicht kaufen,
auch wenn sich das mancher so denkt,
doch wenn man Geld hat,
ja wenn man Geld hat,
bekommt man es geschenkt ...
Du bist ein Esel, sagte der Geldschein.
Und du bist nur ein dummer, kleiner Geldschein, antwortete ich ihm. Aber noch ein paar hundert von deiner Sorte – und Kredor gehört mir! Mir ganz allein!
Empört wachte ich auf: was für ein selten niveauloser Traum!
Aus alter Erfahrung wusste ich aber, dass solch ein niederschmetterndes Erlebnis einem den ganzen Tag versauen kann. Da gab es nur eins: möglichst sofort eine umfassende Analyse des Traumtatbestands anfertigen und durch gekonntes Hintergrundausleuchten dem ganzen Quatsch die Existenzberechtigung entziehen. Aber wo anfangen? Hier im Bett? Das wäre schon logisch gewesen, aber ich musste dringend aufs Klo. Auf dem Klo mit der Analyse beginnen? Lächerlich, war ich ein Nasszellenphilosoph? Aber vielleicht im Speisesaal? Bei kontinentalem Frühstück und Kaffeeplörre? Das gefiel mir eindeutig am besten und ich gondelte wieder mal runter zum Speisesaal. Weil ich heute spät dran war, fand ich sogar einen Tisch für mich ganz alleine. Bei weichen Brötchen und harter Butter sollte ich doch verdammt noch mal einen Zugang zu meinem Traum finden, der mich immer noch in seinen stimmungssenkenden Fängen hielt. Aber das war nicht so einfach. Mir war ja noch nicht mal klar, ob das tatsächlich ich war, der da seine unverhohlene Libido zum Geld entdeckt hatte oder ob ich nur träumender Zuschauer im eigenen Vorführraum war. Klar war nur eins, das aber unumstösslich und zu hundert Prozent: die Identität Kredors! Da betrat er, so wahr ich Franz Müntefering heisse, soeben den parlamentarischen Speisesaal in voller Lieblichkeit: Lafontaine der Unbeschreibliche!